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DIE ENTWICKLUNG DER MATERIA MEDICA - C. M. Boger 1896

in Boger 16.02.2021 09:49
von HP Annette • 1.068 Beiträge | 2351 Punkte

Zum Auftakt dieser Text von Boger, über Kommentare und Fragen würden wir uns freuen.

Die zukünftige Entwicklung unserer Materia Medica ist ein Thema, das jeden wahren Hahnemannianer interessieren muss;
unter der Notwendigkeit, dass wir uns von der traditionellen Schule der Medizin fernhalten, wird es doppelt zu unserer Pflicht, unsere Kunst zur höchsten Vollkommenheit zu entwickeln und dies Schritt für Schritt im wahren wissenschaftlichen Geiste zu tun,
und so unsere Stellung allmählich unanfechtbar zu machen.

Das Vermächtnis, das Hahnemann uns hinterlassen hat, ist vor allem ein prinzipielles;
wie sehr unsere Pathogenese (hier ist die Materia medica gemeint) auch erweitert werden mag, die ihr zugrundeliegenden Gesetze ihrer Formulierung und Anwendung bleiben im Wesentlichen die gleichen;
geerdet, wie wir sind in diesen grundlegenden Prinzipien, die nur eine Erweiterung zulassen, stellt sich natürlich die Frage, was getan werden kann um unsere Heilkunst zu vervollkommnen.

Die Antwort muss natürlich durch eine richtige Einschätzung der individuellen Fähigkeiten kommen, kombiniert mit dem Geist des Fortschritts.

Die Pathogenie, wie sie heute in ihrer Unermesslichkeit dasteht, ist nur ein Bruchteil dessen, was die Zukunft bereithält, so sehr sie den Spreujäger jetzt beunruhigt, er kann nicht anders, als die Zukunft mit der größten Besorgnis zu betrachten.

Die Linien, entlang derer die Entwicklung verlaufen muss, lassen sich nur schemenhaft erahnen; von vielen Naturordnungen haben wir noch keine einzige bewährte Droge;
Prüfungen zeigen die enge symptomatische Verwandtschaft zwischen botanisch verwandten Drogen, und die botanische und chemische Bandbreite der Hahnemannschen Original-Prüfungen zeigen die wunderbare Weitsicht des Meisters.

Für ihn wie für uns lag die ganze Natur wie ein teilweise geöffnetes Buch da, das darauf wartet, dass man die Blätter umdreht, um die verborgenen Schätze zu sehen, wie zum Beispiel das große Polychrest, Pulsatilla.

Seit seiner Zeit haben wir Apis, Cactus, Gelsemium, Glonoin, und viele andere Heilmittel von großer Kraft; sollen wir nun untätig sein?
Die Natur hat keine Belohnungen für Drohnen; ein Körper in Ruhe ist tot, sowohl moralisch als auch körperlich.

Jeder Tag zeigt uns die Auswirkungen von Heilmitteln von großer Macht, aber noch unbewiesen; wie sollen wir die noch unbekannten natürlichen Ordnungen erforschen, wenn wir erwarten, die Sache der Wahrheit voranzubringen;
wir müssen Heilmittel prüfen, um viele Lücken in unserer Therapeutik zu schließen.

Wenn ich den Geist der Väter richtig verstehe, war es einer der Hingabe an ein Gesetz, das jeder als universell erkannte, aber begrenzt und in seiner Anwendung behindert war; sie strebten daher ununterbrochen danach, den Vorrat zu vermehren, so daß wir jetzt häufig mit einem kleinen Similimum heilen können, was früher mehrere ähnliche Mittel erforderte; dieser Vorgang wird also zwar die Zahl der der Symptome, wird aber doch endlich die Therapeutik vereinfachen.

Wir befinden uns sozusagen nur auf dem Grenzgebiet der Pathogenese der Zukunft.

Das Diktum, großes Gift, großes Heilmittel, scheint nicht gut begründet zu sein, viele scheinbar milde Drogen haben eine lange und tiefe Wirkung.
Das ändert jedoch nichts an dem allgemeinen Satz, dass Heilmittel nur im Verhältnis zu ihren bekannten Wirkungen nützlich sind.

Oft treffen wir auf Symptome, die derzeit unter keinem Mittel enthalten sind, doch das Symptom kann den Ausschlag geben. Oft ist es der Grundton des Falles, welcher zum Mittel führt.
Nach der Beseitigung der Symptome durch ein Mittel, das dem übrigen Krankheitsbild entspricht, sind wir dann berechtigt, es der Pathogenese hinzuzufügen?

Diese Frage führt uns sofort in tiefes Gewässer, wenn wir ihre vielen Verästelungen betrachten;
allgemein kann man sagen, dass, wenn das Symptom in Übereinstimmung oder Harmonie mit der bekannten Wirkung des Mittels ist, seine Wirkung bestätigt wird.
Wenn es jedoch diese Anforderung nicht erfüllt, wäre es besser, die Sache in der Schwebe zu halten.

Diese Art, die Materia medica zu erweitern, ist weitgehend befolgt worden und hat uns in der Tat sehr glänzende Aufzeichnungen beschert, aber immerhin die Tatsache bleibt, dass viele Verordnungen, die auf diesen Indikationen basieren, oft entweder palliativ oder
direkt unterdrückend wirkten. Es scheint, dass Hochpotenzen auch unterdrückend wirken können.

Der andere Weg, die Aufzeichnungen durch neue Prüfungen zu ergänzen, ist der alte wie auch der wahre Weg, der es wert ist, befolgt zu werden, und der schließlich alle Hindernisse überwinden wird, vor allem dass wir zuversichtlich darauf schauen können, um die gewünschten Symptome zu verstehen, die uns jetzt oft verwirren.

Viele der jetzt bekannten Heilmittel hatten schon vor ihrer Erprobung Hinweise auf ihre zukünftige Nützlichkeit gegeben, ihre Pathogenesen haben sie verstärkt und entwickelt, sowie vermeintlicher Lorbeeren beraubt.

Zu den Arzneien, die der Bewährung bedürfen, gehört Echinacea angustifolia.
Die Eklektiker schreiben diesem die Eklektiker diesem Mittel Kräfte über septische Prozesse, verhärtete Gewebe und Verwachsungen zu; letztere Behauptung habe ich guten Grund zu glauben, dass sie richtig ist.
Wenn dies wahr ist, obwohl es bis jetzt nur ein pathologischer Hinweis ist, so kann er doch den Weg zu wertvollem Boden weisen, besonders wenn wir uns daran erinnern, dass nicht wenige unserer heutigen Heilmittel gerade durch solche vagen Hinweise zu uns gekommen sind.

Originaltext zu finden auf der Website von Norbert Winter: http://www.homoeopathie-zentrum-karlsruhe.de/


HP Annette Di Fausto
Inhaberin und Dozentin bei e-Vidia
Schulleitung und technische Verwaltung
Mail an annette@e-vidia-forum.de
Website: www.e-vidia.de

zuletzt bearbeitet 16.02.2021 10:14 | nach oben springen



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